Viele Menschen fragen sich, ob in Zeiten von Künstlicher Intelligenz Wissensmanagement noch benötigt wird. Wir zeigen auf, warum Wissensmanagement im KI-Zeitalter wichtiger ist, als je zuvor.

Künstliche Intelligenz (KI) verändert rasant, wie Organisationen arbeiten, Entscheidungen treffen und Innovationen vorantreiben. Da anscheinend alle vorhandenen Daten in kürzester Zeit analysiert und weiterverwendet werden können, stellt sich vielen Unternehmen die Frage, ob Organisationen überhaupt noch ein Wissensmanagement (WM) benötigen. Doch die KI-Transformation macht Wissensmanagement nicht überflüssig — im Gegenteil: ein systematisches Wissensmanagement ist in vielen Bereichen die Voraussetzung für den Einsatz von KI. Gleichzeitig trägt es dazu bei, dass Unternehmen die Chancen der KI verantwortungsvoll, effizient und nachhaltig nutzen können.
Dieser Beitrag beschreibt Gründe und konkrete Handlungsfelder, warum Wissensmanagement heute eine höhere Priorität verdient als je zuvor.
1. KI braucht qualitativ hochwertiges Wissen als Grundlage
KI‑Modelle liefern nur dann verlässliche Ergebnisse, wenn sie auf hochwertigem, relevantem und gut strukturiertem Input basieren. Sie ist daher nur so gut wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. Wissensmanagement sorgt dafür, dass unternehmensspezifisches Wissen identifiziert, erfasst, klassifiziert und kontextualisiert wird. Ohne klare Daten- und Wissensstrukturen drohen Verzerrungen, falsche Annahmen und suboptimale Ergebnisse — besonders bei generativen Modellen, die leicht falsche oder erfundene Aussagen („Halluzinationen“) produzieren können.
2. Der überwiegende Teil des Wissens ist implizit und nicht erfasst
Ca. 90 % des organisationalen Wissens ist implizit und steckt in den Köpfen von Mitarbeitenden. Dieses wichtige Erfahrungswissen steht dem Unternehmen ohne Wissensmanagement nicht zur Verfügung und kann zunächst einmal von KI-Tools nicht verwertet werden. Damit dieses Wissen durch KI genutzt werden kann, muss es dokumentiert werden. Aus dem impliziten Wissen werden Daten generiert, die dann KI-Tools zum Training nutzen können. Die Dokumentation des Mitarbeiter-Know-hows kann in Form von Texten, Bildern, Videos oder Audio-Aufnahmen erfolgen. Wobei Text-, Audio- und Video-Inhalte für KI einfacher zu verwerten sind, als reine Bilder.
3. Eine zentrale Datenablage erleichtert das KI-Training
Verteilte Datenbestände auf mehreren unterschiedlichen Instanzen erschweren das Training von KI-Tools. Die dort gespeicherten Daten können zwar von KI erfasst und fürs Training genutzt werden, sie werden aber nicht zueinander in Verbindung gesetzt und oftmals ist die Datenqualität nicht ausreichend. Ein einziger zentraler Ablageort für Dokumente und Dateien, mit einheitlichen Dokumentations- und Ablagestandards erleichtert die anschließende Erfassung durch KI. Gleichzeitigt können so qualitativ schlechte Inhalte entfernt und Redundanzen vermieden werden. Dies sorgt für einen besseren Output der trainierten KI-Tools.
4. Kontextualisiertes Wissen erhöht KI‑Trefferquote und Akzeptanz
Allgemeine Sprachmodelle liefern zunächst einmal nur allgemeine Antworten. Erste der unternehmensspezifische Kontext eines KI-Modells entscheide über seine Nützlichkeit. Wissensmanagement ergänzt KI durch Kontext — etwa Produktstrategien, Prozessregeln oder kulturelle Feinheiten — und erhöht so Relevanz, Nutzbarkeit und Vertrauen seitens Mitarbeitender.
5. Governance, Verantwortlichkeiten und ethische Nutzung
Der Einsatz von KI wirft Governance‑Fragen auf: Wer ist verantwortlich für Entscheidungen, welche Daten dürfen genutzt werden, welche Bias‑Kontrollen sind nötig? Wissensmanagement etabliert klare Verantwortungslinien (Wer weiß was? Wer darf was nutzen?) sowie Prozesse zur Pflege, Prüfung und Freigabe von Wissensinhalten — und schafft damit die Grundlage für ethisch und rechtlich kontrollierbaren KI‑Einsatz.
6. Bewahrung von organisationalem Wissen trotz Automatisierung
KI automatisiert Aufgaben, doch Erfahrungswissen, implizite Regeln und Entscheiden unter Unsicherheit bleiben wertvoll. Wissensmanagement sichert dieses implizite Wissen — durch Storytelling, Expert Debriefings, Lessons‑Learned oder Communities of Practice — und verhindert Wissensverlust beim Ausscheiden von Mitarbeitenden oder durch technologische Umbrüche. Ein systematischer Wissenstransfer sorgt also dafür, dass wertvolles Erfahrungswissen im Unternehmen bleibt und auch für KI-Anwendungen zur Verfügung steht.
7. Schnellere Skalierung von Best Practices
KI kann Prozesse automatisieren, aber die Verbreitung bewährter Vorgehensweisen innerhalb großer Organisationen erfordert Wissensvermittlung und -verankerung. Wissensmanagement‑Methoden, wie z. B. Communities of Practices, interne Trainingsmaterialien odre Playbooks sorgen dafür, dass erfolgreiche KI‑Einsätze replizierbar und Standards etabliert werden.
8. Der menschliche Faktor bleibt entscheidend
KI ersetzt nicht die menschliche Expertise, sondern verstärkt sie. Ärzte nutzen KI zur Diagnose, aber die beste Behandlung erfordert immer noch ärztliches Urteilsvermögen. Juristen setzen KI für Recherchen oder zur Vertragsgestaltung ein, aber komplexe Strategien entstehen noch immer aus Erfahrung und Intuition.
Diese Lücke zwischen Maschinenlösung und menschlicher Meisterschaft muss mit institutionalisiertem Wissen gefüllt werden. Wissensmanagement-System unterstützen dabei, Erfahrungswissen zu bewahren, indem die Expertise erfahrener Mitarbeitender dokumentiert werden. Strukturierte On- und Offboarding-Prozesse sorgen dafür, dass das Erfahrungswissen dokumentiert und gleichzeitig die Einarbeitung neuer Mitarbeitender schneller und effektiver Erfolgt. Gleichzeitig sorgt Wissensmanagement dafür, dass Best Practices ermittelt und systematisch in der Organisation genutzt werden.
9. KI kann nicht alles
KI-Algorithmen sind sehr leistungsfähig, aber sie können nicht alles. Es gibt viele Bereiche, in denen menschliches Wissen und menschliche Erfahrung unverzichtbar sind. Durch die Kombination von KI und Wissensmanagement kann ein Unternehmen sicherstellen, dass es die Vorteile von KI nutzt, aber auch das Wissen und die Erfahrungen von Mitarbeitern berücksichtigt.
Was können Unternehmen tun, um Wissensmanagement für den KI-Einsatz zu nutzen?
Hier sind die ersten Schritte:
1. KI-Use Cases identifizieren: Ermittlung der Anwendungsfälle für KI mit dem größten Nutzen für das Unternehmen und Identifizierung der dafür benötigten Daten und Informationen für das Training.
2. Ist-Analyse durchführen: Bewertung der aktuellen Wissensbasis. Unternehmen sollten bestehende Wissensressourcen identifizieren und deren Zugänglichkeit sowie Effizienz überprüfen.
3. Wissenskultur fördern: Schaffung eines offenen Umfelds, in dem Wissen geteilt und geschätzt wird. Das kann auch durch Workshops und offene Meetings geschehen.
4. Wissen dokumentieren: Prozesse und Best Practices festhalten, damit wertvolles Wissen, z. B. in Form von Dokumentationen und Handbüchern, erfasst und regelmäßig aktualisiert wird.
5. Infrastruktur und Tools: Integration von Wissensmanagement-Software, zur Standardisierung von Ablage, Verwaltung und Austausch von Daten und Wissen; Beispiele sind Document Management Systeme (DMS), Wikis, Datenbanken und Intranets.
6. Wissen systematisieren: Kategorisierung und Tagging von Informationen, um eine einfache Suche und Zugriff auf relevantes Wissen zu gewährleisten.
7. Schulungen & Changemanagement anbieten: Fortbildung der Mitarbeitenden und Einrichtung von Support-Maßnahmen,um den Umgang mit Wissensmanagement-Tools und -Prozessen zu verfestigen. Schaffung von Anreizsytemen um aktives Teilen von Wissen zu fördern und die Wissensmanagement-Aktivitäten in der Organisation zu verankern.
8. Wissensnetzwerke bilden und interne Communities aufbauen: Förderung von Netzwerken oder Gruppen, in denen Mitarbeitende Erfahrungen und Wissen austauschen können.
9. Regelmäßige Überprüfung und Verbesserung: Regelmäßige Reviews helfen, die Effektivität der Wissensmanagement-Strategien zu bewerten und notwendige Anpassungen vorzunehmen. Ein partizipatives Vorgehen und Feedbackmöglichkeiten sorgen dafür, dass Wissensmanagement-Aktivitäten an den Bedarfen der Nutzenden ausgerichtet sind.
Fazit
Künstliche Intelligenz hat nicht dazu geführt, dass Wissensmanagement überflüssig wird – sie hat es zur absoluten Notwendigkeit gemacht. Je mehr KI Routineaufgaben übernimmt, desto wichtiger wird strategisches Wissensmanagement. KI-Tools erledigen die einfachen Dinge schneller und besser. Aber für die schweren Probleme – die Fragen, die echte Geschäftsergebnisse treiben – brauchen wir gut organisiertes, kontextualisiertes, menschliches Wissen.Unternehmen, die dies verstanden haben, werden die nächste Dekade dominieren. Jene, die es ignorieren, werden zurückbleiben.
Das KI-Zeitalter ist nicht das Ende von Wissensmanagement – es ist sein Anfang.
Weiterführende Links:
KI, die wirklich hilft: Mit den richtigen Use Cases Künstliche Intelligenz optimal nutzen
Willkommen in der Zukunft! – 10 Bereiche in denen KI unseren Alltag verändert
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